Sehnenschaden beim Pferd: Symptome, Heilung & Fütterung

Sehnenschaden beim Pferd: Symptome, Heilung & Fütterung

Wer schon einmal diese Diagnose vom Tierarzt bekommen hat, kennt das Gefühl: erst der Schock, dann die langen Monate Ungewissheit. Ein Sehnenschaden beim Pferd ist eine der gefürchtetsten Verletzungen – und gleichzeitig eine der missverstandensten. Dieser Artikel beantwortet die drei Fragen, die du jetzt wahrscheinlich gleichzeitig im Kopf hast: Wie schwer ist es? Wie lange dauert es? Und was kannst du selbst aktiv beitragen, damit dein Pferd wirklich wieder gesund wird?

Wir gehen die Symptome, die realistischen Heilungszeiten und den Reha-Aufbau Schritt für Schritt durch – belegt mit Studien aus der Pferdemedizin, mit einem konkreten Wochenplan und mit unserem eigenen Weg durch eine Sehnen-Reha. Du bekommst keine Wundermittel-Versprechen. Du bekommst, was du jetzt brauchst: Orientierung, Zahlen, einen Plan.

Was ist ein Sehnenschaden beim Pferd?

Ein Sehnenschaden beim Pferd ist eine Verletzung der Sehnenfasern, meist an der oberflächlichen Beugesehne (OBS) des Vorderbeins, ausgelöst durch Überlastung oder akutes Trauma. Es können einzelne Fasern reißen (Mikroläsionen), Faserbündel beschädigt sein oder im schwersten Fall die gesamte Sehne durchtrennt werden.

Aufbau einer gesunden Sehne

Eine Sehne besteht aus dicht gepackten, parallel angeordneten Kollagenfasern – vor allem Typ-I-Kollagen. Am Pferdebein unterscheidet man vier funktionell zentrale Strukturen: die oberflächliche Beugesehne (OBS, häufigste Schadensstelle), die tiefe Beugesehne (TBS), den Fesselträger und die Strecksehne. Sehnen verbinden Muskel und Knochen, übertragen Kraft und federn Bewegung ab. Bei jedem Galoppsprung tragen sie ein Vielfaches des Körpergewichts.

Warum Sehnen so schlecht heilen – das Problem der schlechten Durchblutung

Sehnengewebe ist sehr stoffwechselarm. Es wird schlechter durchblutet als Muskelgewebe, und genau das macht die Heilung so langwierig (Dowling et al., 2000). Neu gebildetes Gewebe besteht zudem oft aus Kollagen Typ III statt Typ I – es ist mechanisch weniger belastbar als das ursprüngliche Sehnengewebe. Diese minderwertige Reparatur ist der Hauptgrund, warum so viele Pferde später erneut verletzen.

Symptome: Wie erkenne ich einen Sehnenschaden?

Die klassischen Symptome eines Sehnenschadens beim Pferd sind Schwellung, Wärmebildung, Druckschmerz an der Sehne und eine plötzlich oder schleichend auftretende Lahmheit. Je früher du sie bemerkst, desto besser die Prognose.

Akute Anzeichen

Bei einer akuten Sehnenverletzung siehst du innerhalb weniger Stunden eine deutliche, oft bogenförmige Schwellung an der Rückseite des Röhrbeins („bowed tendon"). Die Stelle ist warm, manchmal pulsiert die Arterie spürbar. Dein Pferd reagiert auf Druck mit deutlichem Zurückziehen. Die Lahmheit kann von leichtem Taktverlust bis zu starkem, dreibeinigem Lahmen reichen.

Schleichende / chronische Anzeichen

Bei chronischer Überlastung sind die Zeichen subtiler: leichte Verdickung der Sehne über Wochen, gelegentliche Wärme nach dem Training, „nicht ganz frisch" wirkendes Gangbild, Widerwillen gegen harte Böden oder enge Wendungen. Genau diese Pferde sind die Risikogruppe für die plötzlich „aus dem Nichts" auftretende Komplettverletzung.

Schweregrade im Überblick

Grad Was passiert Klinisches Bild
1 Überdehnung, keine sichtbaren Faserrisse leichte Schwellung, kaum Lahmheit
2 Teilriss <25 % der Fasern klare Schwellung, mittlere Lahmheit
3 Teilriss 25–75 % der Fasern starke Schwellung, deutliche Lahmheit
4 Komplettruptur >75 % bis Totalriss hochgradige Lahmheit, durchgetretene Fessel


Ursachen – wie entsteht ein Sehnenschaden?

Ein Sehnenschaden entsteht in den meisten Fällen nicht aus einem einzigen Moment, sondern aus der Summe vieler kleiner Mikrotraumata, die sich über Monate aufaddieren und dann unter normaler Belastung plötzlich zur sichtbaren Verletzung führen.

Akutes Trauma vs. chronische Überlastung

Akute Traumata – ein Vertreten in einem Loch, ein Stolperer im Gelände, ein Stürz – führen zu klassischen Komplettverletzungen. Häufiger sind aber chronische Überlastungen: kleinste Mikrorisse während des Trainings, die nicht ausreichend Zeit zur Heilung bekommen. Klinisch unauffällig, aber das Gewebe wird zunehmend instabil.

Risikofaktoren

Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen tiefe, schwere oder unebene Böden, fehlerhafte Hufstellung (besonders unterschobene oder zu lange Trachten), zu intensiver Trainingsaufbau ohne ausreichende Pausen, Übergewicht, ungenügendes Aufwärmen und das Alter – ab etwa 15 Jahren verändert sich die Sehnenstruktur und die Regenerationsfähigkeit nimmt ab.

Diagnose beim Tierarzt

Die sichere Diagnose eines Sehnenschadens beim Pferd erfolgt über die klinische Untersuchung in Kombination mit bildgebenden Verfahren – allen voran dem Ultraschall. Verzichte auf Eigendiagnose: Eine Sehnenverletzung präzise einzuschätzen, ist Tierarzt-Aufgabe.

Palpation, Ultraschall, MRT – wann was?

Die Palpation – das Abtasten der Sehne – ist der erste Schritt und zeigt Wärme, Schwellung und Druckschmerz. Der Ultraschall ist der Goldstandard für die Strukturdiagnose: Faserriss, Hämatom und Heilungsverlauf lassen sich sichtbar machen. Ein MRT kommt zum Einsatz, wenn der Ultraschall keine eindeutige Aussage liefert, besonders bei Verletzungen im Hufbereich (Hufrolle, TBS-Insertion). Die regelmäßige Ultraschallkontrolle alle 8–12 Wochen während der Reha ist Pflicht, nicht Kür – sie entscheidet darüber, wann du sicher wieder mehr belasten kannst.

Heilung & Heilungsdauer – was du realistisch erwarten kannst

Die Heilung eines Sehnenschadens beim Pferd dauert in der Regel 3 bis 12 Monate, abhängig von Schweregrad, Alter des Pferdes und Reha-Disziplin. Bei schweren Verletzungen können bis zur vollen Belastbarkeit auch 12 bis 18 Monate vergehen.

Die 3 Phasen der Sehnenheilung

Die Sehnenheilung läuft in drei Phasen ab (Smith, 2008; Dowling et al., 2000):

Entzündungsphase (Tag 1–7): Das Gewebe ist warm, geschwollen, schmerzhaft. Entzündungsmediatoren werden freigesetzt, Reparaturzellen wandern ein.

Reparaturphase (Woche 2 bis Monat 3): Fibroblasten produzieren Kollagen – allerdings überwiegend Typ III, das mechanisch schwächer ist. Die Sehne wirkt im Ultraschall „aufgefüllt", ist aber noch sehr verletzungsanfällig.

Remodellierungsphase (Monat 3 bis 12+): Typ-III-Kollagen wird schrittweise zu belastbarerem Typ-I-Kollagen umgebaut, die Fasern richten sich entlang der Zugbelastung aus. Diese Phase ist entscheidend – und sie braucht kontrollierte Bewegung als Reiz.

Realistische Zeitachse

Schweregrad Boxenruhe
Schritt führen
Trab/Galopp Volle Belastung
1 2–4 Wochen
ab Woche 3–4
ab Monat 3 ab Monat 4–6
2 4–6 Wochen
ab Woche 5–6
ab Monat 4–5 ab Monat 7–9
3 6–8 Wochen
ab Woche 7–8
ab Monat 6–7 ab Monat 9–12
4 8–12 Wochen
individuell
individuell oft eingeschränkt

 

Prognose & Rezidivrate

Die unangenehme Wahrheit: Bei Vollblut-Rennpferden liegt die Rezidivrate nach Sehnenverletzung zwischen 50 und 80 Prozent (Dowling et al., 2000). Bei Freizeit- und Sportpferden im moderaten Belastungsbereich sind die Zahlen deutlich besser, aber das Risiko bleibt. Entscheidend für die Prognose ist nicht die Schwere der Erstverletzung, sondern die Disziplin in der Reha.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung eines Sehnenschadens beim Pferd kombiniert immer Akut-Versorgung, gegebenenfalls moderne Therapieverfahren und vor allem eine konsequente Reha-Phase. Es gibt kein einzelnes Verfahren, das die Sehne „repariert".

Akut-Versorgung

In den ersten 48 bis 72 Stunden zählt: Kühlen (Eiswasser, Kühlgamaschen, mehrmals täglich 15–20 Minuten), Ruhigstellen (Box, Stützverband), bei Bedarf nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAR) nach tierärztlicher Verordnung. Wichtig: Bewege das Pferd nicht – jeder Schritt in dieser Phase kann die Verletzung vergrößern.

Moderne Verfahren

Je nach Schweregrad und Tierarzt-Einschätzung kommen plättchenreiches Plasma (PRP), Stammzelltherapie, Stoßwellen, Tildren-Infusionen oder Lasertherapie zum Einsatz. Die Studienlage ist heterogen, einige Verfahren – insbesondere die intratendinöse Stammzelltherapie – zeigen vielversprechende Ergebnisse bei der Qualität des Heilgewebes (Smith, 2008). Lass dich von deinem Tierarzt beraten, was bei der konkreten Verletzung sinnvoll ist.

Bandagen, Kompression & physikalische Therapie

Stütz- und Kompressionsbandagen reduzieren Schwellung und entlasten die verletzte Sehne, müssen aber korrekt angelegt sein – falsch gewickelt richten sie mehr Schaden an als Nutzen. Magnetfeld, Solarium und kontrolliertes Wassertraining (Aquatrainer, Schwimmen) können in den späteren Phasen den Aufbau unterstützen.

Reha & Aufbau – der kontrollierte Weg zurück

Die Reha bei Sehnenschaden beim Pferd folgt einem klaren Prinzip: kontrollierte, allmählich steigende Belastung statt totaler Schonung. Boxenruhe allein heilt keine Sehne – sie hält nur akute Schäden klein.

Boxenruhe vs. kontrollierte Schrittbewegung – was die Forschung sagt

Komplette Immobilisation führt zu schlechterer Faserausrichtung und schwächerem Heilgewebe. Sobald die Akutphase abgeschlossen ist (typischerweise nach 4–8 Wochen, je nach Schweregrad), beginnt das kontrollierte Schrittführen – anfangs 5 bis 10 Minuten täglich, dann graduell steigend. Diese moderate mechanische Stimulation hilft, das Kollagen entlang der Belastungsachse auszurichten.

Boxenruhe und Pferde-Psyche

Wir bekommen genau zu diesem Punkt die meisten Nachrichten: „Mein Pferd dreht in der Box durch." Aus unserer Arbeit mit dem Verhalten von Pferden wissen wir, wie eng Stress und Heilung zusammenhängen. Ein chronisch gestresstes Pferd produziert mehr Cortisol – und Cortisol bremst die Geweberegeneration. Achte auf Stresszeichen: ständiges Weben, Koppen, Appetitverlust, hektisches Fressen, Aggression beim Putzen.

Was hilft: Sichtkontakt zu mindestens einem Nachbarn, mentale Beschäftigung über Heunetze mit kleinen Maschen, Slowfeeder, Knabberäste, gezielte Putz- und Massagezeiten. Wichtig ist, die Box nicht als „Strafe" zu inszenieren – Pferde lesen unsere Stimmung sehr genau. Viele Reha-Pferde profitieren auch von einem ruhigen Boxen-Nachbarn als sozialem Anker. Die ersten zwei Wochen sind die härtesten; danach passen sich die meisten Pferde an, sofern Beschäftigung und Sozialkontakt stimmen.

Aufbau-Trainingsplan Woche für Woche

Phase | Belastung | Zeitfenster Woche 1–4 | Boxenruhe, ggf. 5–10 Min. Handschritt ab Woche 3 | nur an der Hand Woche 5–8 | Schritt 15–25 Min., feste Wege, kein weicher Boden | täglich, an der Hand Woche 9–16 | Schritt unter dem Sattel 20–40 Min., evtl. erste Trabreprisen | nach Ultraschallkontrolle Woche 17–24+ | Trab kontrolliert steigern, erste Galopp-Reprisen ab Monat 6–7 | mit tierärztlichem Okay Ab Monat 9–12 | volle Belastung schrittweise wieder aufbauen | abhängig von Schweregrad

Fütterung bei Sehnenschaden – was die Studien wirklich zeigen

Die Fütterung bei Sehnenschaden beim Pferd sollte gezielt Kollagenpeptide, MSM, Glucosamin, Hyaluronsäure sowie Kupfer, Zink und Vitamin E liefern, um die Sehnenheilung auf zellulärer Ebene zu unterstützen. Fütterung ersetzt keine Reha – aber ohne die richtigen Bausteine fehlt dem Körper schlicht das Material für hochwertiges Reparaturgewebe.

Welche Nährstoffe braucht heilendes Sehnengewebe?

Kollagenpeptide sind die direkten Bausteine neuer Sehnenfasern. Sie werden zu kurzkettigen Aminosäuren und Peptiden abgebaut, die in der Geweberegeneration zur Verfügung stehen. MSM (Methylsulfonylmethan) ist eine Quelle von organischem Schwefel – Schwefel ist Bestandteil der Disulfid-Brücken, die Kollagenfasern stabilisieren, und wirkt entzündungsmodulierend. Glucosamin und Hyaluronsäure sind klassische Bausteine der extrazellulären Matrix und unterstützen den Wasserhaushalt des Bindegewebes. Spurenelemente wie Kupfer (Kollagen-Quervernetzung über die Enzymfamilie der Lysyloxidasen), Zink und Mangan sind unverzichtbare Kofaktoren. Vitamin E schützt das neu gebildete Gewebe vor oxidativem Stress – besonders relevant bei steigender Belastung in der Aufbauphase.

Was Studien zeigen

MSM bei Sportpferden: Marañón et al. (2008) zeigten in einer placebokontrollierten Studie an Springpferden eine signifikante Reduktion von Markern oxidativen Stresses nach Belastung unter MSM-Gabe (8 g/Tag über sechs Wochen).

Glucosamin/Chondroitin: Forsyth et al. (2006) untersuchten ältere Pferde mit Gelenkbeschwerden und fanden unter oraler Glucosamin-/Chondroitin-Gabe Verbesserungen im Gangbildmuster gegenüber Placebo.

Hyaluronsäure oral: Bergin et al. (2006) konnten in einer Studie an Vollblut-Jährlingen zeigen, dass oral verabreichte Hyaluronsäure die postoperative Gelenkfüllung am Sprunggelenk signifikant reduziert – ein Beleg für die Bioverfügbarkeit oraler HA, die lange umstritten war.

Kollagenpeptide: Die direkte Studienlage bei Pferden ist noch dünn, in der Human- und Veterinärsportmedizin gibt es jedoch wachsende Evidenz, dass spezifische Kollagenpeptide die Sehnen- und Bandregeneration positiv beeinflussen können. Bei Pferden wird Kollagen in der Praxis zunehmend in Reha-Konzepten eingesetzt.

Dosierungspraxis – Kur oder Erhaltung?

In der Akut- und Reparaturphase ist eine Kurdosis über mindestens 8 bis 12 Wochen sinnvoll. Übliche Tagesrationen für ein 600-kg-Pferd liegen bei 1.500–3.000 mg Glucosamin, 2.000–10.000 mg MSM, 100–200 mg Hyaluronsäure und 2.000–5.000 mg Kollagenpeptiden – die genaue Menge hängt vom Produkt und vom Schweregrad ab. Nach der Reparaturphase senkst du auf eine Erhaltungsdosis. Wichtig: Nährstoffe wirken nicht „akut nach drei Tagen". Plane in Wochen, nicht in Tagen.

Akzeptanz am Futtertrog – warum die Darreichungsform entscheidet

Wir bekommen genau diese Frage täglich: „Mein Pferd frisst das Pulver nicht – was tun?" Aus unserem Hintergrund in der Verhaltensforschung wissen wir, dass die Futterakzeptanz beim Pferd ein hochsensibles System ist. Pferde sind Neophobiker – sie reagieren empfindlich auf neue Gerüche, Geschmäcker und Konsistenzen, besonders in stressigen Lebensphasen wie der Reha. Hinzu kommt: Viele Reha-Pferde fressen unter Boxenruhe sowieso weniger und wählerischer. Pulver, das auf dem Müsli liegt, wird oft gezielt aussortiert. Was vermeintlich „bequem" ist, landet in der Krippe – aber nicht im Pferd.

Snack- oder Pelletformen haben aus verhaltenspsychologischer Sicht zwei Vorteile: Sie sind als „Belohnung" emotional positiv besetzt, und sie können nicht selektiv ausgespuckt werden. Im Stallalltag bedeutet das schlicht: Was gefressen wird, wirkt. Was im Trog liegen bleibt, wirkt nicht.

Wir – Katja und Andrés – haben nuvallo move genau aus dieser Lücke heraus entwickelt: ein funktioneller Gelenksnack mit 1.500 mg Glucosamin, 2.550 mg Kollagen, 2.250 mg MSM und 150 mg Hyaluronsäure pro Tagesration. Snack-Form, weil wir aus der Praxis wissen, dass Pferde in der Reha-Phase Pulver oft verweigern.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Wundermittel – sie ersetzen weder Boxenruhe noch tierärztliche Behandlung.

Sehnenschaden vorbeugen

Vorbeugung beginnt nicht im Moment der Belastung, sondern in den Wochen davor. Die wichtigsten Stellschrauben sind banaler als die meisten denken – und genau deshalb werden sie unterschätzt.

Aufwärmen: Mindestens 15 bis 20 Minuten Schritt vor jeder intensiveren Einheit, an Wettkampf- oder Springtagen länger. Kalte Sehnen sind verletzungsanfällige Sehnen.

Hufpflege: Alle sechs bis acht Wochen Hufbearbeitung durch einen erfahrenen Schmied oder Hufpfleger. Unterschobene Trachten oder zu lange Zehen verschieben die Zugachse der Beugesehnen und erhöhen das Verletzungsrisiko erheblich.

Bodenqualität: Tiefer, schwerer oder unebener Boden ist der häufigste externe Risikofaktor. Wenn du keinen Einfluss auf den Reitplatz hast, passe die Trainingsintensität an die Bedingungen an – nicht umgekehrt.

Trainingsaufbau: Steigerungen schrittweise, Pausen einplanen, nicht zwei intensive Tage hintereinander. Kondition baut sich in Wochen auf, Sehnen brauchen Monate.

Beobachtung: Geh nach jedem Training mit der Hand über die Sehne. Wärme, Verdickung oder Druckempfindlichkeit am Tag danach sind Frühwarnzeichen – nicht „normal nach dem Springen".

Häufige Fragen (FAQ)

Wie lange dauert die Heilung eines Sehnenschadens beim Pferd?

Die Heilung eines Sehnenschadens beim Pferd dauert je nach Schweregrad 3 bis 12 Monate, bei schweren Verletzungen bis zu 18 Monate. Entscheidend ist nicht die Akutphase, sondern die monatelange Remodellierungsphase. Ohne konsequente Reha bleibt das Heilgewebe minderwertig und das Rezidivrisiko hoch.

Kann ein Pferd mit Sehnenschaden wieder geritten werden?

Ja, die Mehrheit der Pferde wird nach einem Sehnenschaden wieder reitbar. Bei Schweregrad 1 und 2 erreichen viele Pferde wieder ihre ursprüngliche Leistungsfähigkeit. Bei Grad 3 ist oft eine Anpassung im Belastungsniveau nötig. Voraussetzung ist immer eine vollständige, tierärztlich begleitete Reha über mehrere Monate.

Was hilft bei einem Sehnenschaden beim Pferd?

Bei einem Sehnenschaden helfen Akutkühlung, Ruhigstellung, ein strukturierter Reha-Plan mit kontrollierter Schrittbewegung und gezielte Fütterung mit Kollagen, MSM, Glucosamin und Hyaluronsäure. Moderne Verfahren wie PRP oder Stammzelltherapie können je nach Befund sinnvoll sein. Eine einzelne „Wunderlösung" gibt es nicht.

Wie lange Boxenruhe bei Sehnenschaden?

Die Boxenruhe bei Sehnenschaden dauert je nach Schweregrad 4 bis 8 Wochen, in schweren Fällen bis zu 12 Wochen. Wichtig ist der Übergang in kontrolliertes Schrittführen – komplette Immobilisation führt zu schlechterer Heilgewebsqualität. Der genaue Zeitpunkt wird per Ultraschallkontrolle festgelegt.

Was sollte ich bei einem Sehnenschaden füttern?

Bei einem Sehnenschaden solltest du Bausteine für die Geweberegeneration zuführen: Kollagenpeptide, MSM, Glucosamin, Hyaluronsäure sowie Kupfer, Zink und Vitamin E. Eine Kurdauer von 8 bis 12 Wochen über die Reparaturphase ist sinnvoll, danach kannst du auf Erhaltungsdosis reduzieren. Achte auf die Akzeptanz – nicht gefressenes Pulver wirkt nicht.

Wie fühlt sich ein Sehnenschaden beim Pferd an?

Eine geschädigte Sehne fühlt sich beim Abtasten warm, verdickt und oft fest oder bogenförmig geschwollen an. Das Pferd reagiert auf Druck mit deutlichem Zurückziehen des Beins. Vergleiche immer mit dem gesunden Bein der Gegenseite – seitendifferente Wärme oder Schwellung ist eines der zuverlässigsten Frühzeichen.

Quellen

Bergin, B.J., Pierce, S.W., Bramlage, L.R., Stromberg, A. (2006): Oral hyaluronan gel reduces post operative tarsocrural effusion in the yearling Thoroughbred. Equine Veterinary Journal 38(4):375–378.

Dowling, B.A., Dart, A.J., Hodgson, D.R., Smith, R.K. (2000): Superficial digital flexor tendonitis in the horse. Equine Veterinary Journal 32(5):369–378.

Dyson, S.J. (2004): Medical management of superficial digital flexor tendonitis: a comparative study in 219 horses (1992–2000). Equine Veterinary Journal 36(5):415–419.

Forsyth, R.K., Brigden, C.V., Northrop, A.J. (2006): Double blind investigation of the effects of oral supplementation of combined glucosamine hydrochloride (GHCL) and chondroitin sulphate (CS) on stride characteristics of veteran horses. Equine Veterinary Journal Supplement 36:622–625.

Higler, M.H., Brommer, H., L'Ami, J.J., de Grauw, J.C., Nielen, M., van Weeren, P.R., Laverty, S., Barneveld, A., Back, W. (2014): The effects of three-month oral supplementation with a nutraceutical and exercise on the locomotor pattern of aged horses. Equine Veterinary Journal 46(5):611–617.

Marañón, G., Muñoz-Escassi, B., Manley, W., García, C., Cayado, P., de la Muela, M.S., Olábarri, B., León, R., Vara, E. (2008): The effect of methyl sulphonyl methane supplementation on biomarkers of oxidative stress in sport horses following jumping exercise. Acta Veterinaria Scandinavica 50:45.

Smith, R.K.W. (2008): Mesenchymal stem cell therapy for equine tendinopathy. Disability and Rehabilitation 30(20–22):1752–1758.

Über die Autor:innen

Katja und Andrés sind die Gründer:innen von nuvallo. Sie verbinden über 15 Jahre praktische Erfahrung mit Pferden – von Haltung über Reitsport bis zur Reha-Begleitung – mit einem Hintergrund in Psychologie. Ihr besonderer Forschungs- und Praxisschwerpunkt liegt auf dem Fressverhalten von Pferden und der Frage, warum Ergänzungsfuttermittel im Stall oft nicht angenommen werden. Aus dieser Kombination ist nuvallo move entstanden.

 

nuvallo move

Der Gelenk-Snack, den Pferde lieben.